Es ist 1999 und Nick Swinmurn läuft durch die Straßen von San Francisco auf der Suche nach neuen Schuhen. Doch was er in den Läden findet, sagt ihm nicht zu. Wieder zu Hause, sucht er im Internet. Aber auch hier wird er nicht fündig.

Also beschließt er, sein eigenes Unternehmen zu gründen: Zappos – ein Online-Schuhhändler (http://www.zappos.com/). Doch wollen die Leute wirklich Schuhe rein über das Internet kaufen? Bücher, CDs gehen gut, das hatte Amazon schon seit 1994 beweisen. Aber Schuhe? Die kann man ja wohl kaum anprobieren über das Internet!

Nick Swinmurn hätte jetzt direkt in das große Investment gehen können: aufwändige WebSite, überall eigene Lager für Schuhe in den USA, ausgeklügelte Logistik, High-End Prozesse. Und wenn es dann keine Käufer von Schuhen über das Internet gibt?

Die für ihn kritische Hypothese lautet: Kunden wollen und werden Schuhe über das Internet kaufen. Um das zu testen, ist er einfach mit einer Digital-Kamera in das nächste Schuh-Geschäft gegangen, hat dort die Schuhe fotografiert und hat die Bilder auf seiner WebSite mit einer einfachen Bestellfunktion eingebunden. Sobald eine Bestellung bei Zappos einging, besorgte Nick Swinmurn die Schuhe ganz klassisch im Schuhgeschäft nebenan, packte diese ein und brachte das Paket rasch zur Post.

Und jetzt hatte er günstig den Beweis: Die Leute sind bereit, Schuhe über das Internet zu kaufen. Mit dieser sehr günstigen Methode konnte Zappos die kritischste Hypothese seines Geschäftsmodells bestätigen.

Fake it till you make it – Versuchen Sie also, wenn Sie ihre Ideen und Geschäftsmodelle testen, dies so günstig wie möglich hinzubekommen. Wenn Sie ein neues Filialkonzept testen, können Sie einfach ein paar Möbel mieten und die Wirkung testen. Es gibt Anbieter, die neue Filalaustattungen komplett in Pappe bauen können – und Sie können dann einfach mal Kundenreaktionen testen!

Und das geht auch bei Programmierungen: Bevor Sie aufwändig einen Chat-Bot – also ein auf künstlicher Intelligenz gebautes Kommunikationsprogramm – programmieren lassen, können die Antworten einfach und rasch von Menschen erzeugt werden. So bekommen Sie rasch ein Gefühl und Feedback, wie ein Chat-Bot angenommen werden würde.

Der Grat ist natürlich schmal hier– denn schließlich machen Sie den Kunden etwas vor, was es so nicht gibt – noch nicht! Auf der anderen Seite bekommen Sie für kleines Geld sehr realistisches Feedback, ob Ihre Idee und Ihr Geschäftsmodell wirklich Potenzial hat. Und hat es das nicht, ist der Verlust verkraftbar. Gelernt haben Sie auf jeden Fall immer etwas!

Zu häufig wird noch in Unternehmen dieser Weg nicht gegangen – frühzeitig mit Prototypen direktes Kundenfeedback einzuholen. Und wenn schon hohe Summen in die Entwicklung geflossen sind, wird auch keiner mehr sagen, dass die Entwicklung trotz besseren Wissens  gestoppt wird. Dann wird weiter verschlimmbessert und das Endprodukt ist weit entfernt von echtem Kundenbedürfnis.

Frühes Testen verhindert dies – und senkt damit gerade in den sehr dynamischen Zeiten die Gefahr, dass Sie und Ihr Team Zeit, Geld und Leidenschaft in etwas stecken, was nachher keiner haben will.

About the author

Carsten Rhinow(http://www.adgonline.de) - Mein Name ist Carsten Rhinow und ich bin bei der Akademie Deutscher Genossenschaften als Spezialist für Digitale Medien & Lerninnovationen tätig. Ich beschäftige mich intensiv mit der Frage, wie das Lernen/Lehren, die Personal- und die Organisationsentwicklung in Zukunft stattfinden wird. Neben den neuen technischen Möglichkeiten in diesen Bereichen interessiert mich vor allem die Frage, wie Organisationen so agil gestaltet werden können, dass diese sich mit allen Mitarbeitern flexibel an eine sehr dynamische und komplexe Umwelt anpassen zu können.

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