Verändern oder Sterben

Verändern oder Sterben kling ganz schön hart. Manchmal folgt für Menschen auf die mangelnde Fähigkeit sich zu verändern, aber tatsächlich der Tod. Menschen mit einer Bypass Operation haben einer amerikanischen Studie zufolge in 90 % aller Fälle auch 2 Jahre nach diesem für das Überleben notwendigen Eingriff ihre ungesunde Lebensform nicht verändert.

Immer wieder hören wir von solchen oder ähnlichen Ergebnissen. Was bei lebensgefährlich erkrankten Menschen ermittelt wurde, gilt gleichermaßen für viele straffällig gewordenen Menschen und natürlich auch für die Mitarbeiter von Unternehmen, egal welcher Unternehmens Ebene sie zugeordnet sind: Selbst die rationalsten Argumente und das deutliche Aufzeigen der Konsequenzen einer nicht Veränderung helfen nicht.

Gerade in der Betriebswirtschaft wird immer noch mit dem Mythos des rationalen Menschen gearbeitet. Wir gehen davon aus, dass Menschen nur die notwendigen Informationen benötigen, um dann in ihrem Selbst Interesse zu handeln. Immer wenn sich die Verhältnisse verändern oder die Dinge nicht mehr so laufen, wie sie laufen sollen, holen wir dann externe Berater ins Haus, die mit rationalen Argumenten, Zahlen und Studien versuchen Veränderung herbei zu führen. Das funktioniert dann scheinbar, aber nur genau so lange bis die Berater wieder aus dem Haus sind. Was wir dabei fast immer vergessen: Nur Menschen können sich verändern und Veränderung ist reine Psychologie und rationalen Argumenten kaum zugänglich.

Alan Deutschman hat dies alles in einem Buch aus dem Jahr 2007 eingänglich dargelegt. Aus seinen Erfahrungen und seiner Forschung ist so etwas wie eine Master Theorie der Veränderung entstanden, die sich auf Arbeiten von Jerome D. Frank aus dem Jahr 1961 einem Professor für Psychiatrie, ergänzt um Ideen der Kognitionswissenschaften, Neurowissenschaften und Linguistik, stützt. Der Titel des Buches, das heute aktueller denn je ist, lautet Change or Die.

Change beruht – so schreibt Deutschman in seinem Buch – auf 3 Schlüsselfaktoren:

Relate: Aufbau einer neuen emotionalen Beziehung mit einer Person oder Gruppe, die inspiriert und Hoffnung aufrecht erhält, die also zum Beispiel das Problem für sich gelöst hat und damit beispielhaft und als Vorbild wirkt.

Repeat: Die neue Beziehung hilft dabei zu lernen, zu üben und die überlebenswichtigen  neuen Verhaltensweisen zu erproben und ein zu trainieren.

Reframe: Dadurch entsteht eine neue Sichtweise und grundsätzlich neue Skills. Wir sind in der Lage Dinge anders zu sehen und anders zu handeln als bisher.

In diesem Buch und in zahlreichen anderen Büchern über Innovation und Kreaitivät lässt sich wunderbar nachlesen, dass wir über unseren Tellerrand hinaus schauen müssen, um uns zu verändern. Das wir uns vernetzen müssen, um z.B. von anderen Menschen, Unternehmen oder Branchen zu lernen. Vernetzung aber Zusammenarbeit und nicht nur zuhören und inspirieren lassen bedeutet. Genauso können nur Menschen Veränderung anstoßen, nur Menschen können Ideen und Kreativität hervorbringen und das ist doch auch eine wunderschöne Hoffnung, in Zeiten da Technologie dabei ist, menschliche Fähigkeiten und Eigenschaften überflüssig zu machen. Was aber für Empathie, Kreativität, Leidenschaft und Veränderung vorerst noch nicht gilt.

Fast Company: The Three Keys to Change (Alan Deutschmann)

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Boris Janek -

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