NDDR – Niedrigzinsphase, Digitalisierung, demografischer Wandel und Regulierung sind die bestimmenden Trendthemen in den Volks- und Raiffeisenbanken. Dabei ist das Stimmungsbild deutlich weniger optimistisch als es sich in den Trendstudien vergangener Jahre abgezeichnet hat. Zu stark zeichnen sich „Bremsspuren“ in den wirtschaftlichen Ergebnissen ab, als zu intensiv werden die Angriffe digitaler Wettbewerber empfunden und zu stark sieht man sich durch regulatorische Anforderungen auf der Kostenseite unter Druck gesetzt. Die veränderten Rahmenbedingungen stellen das Geschäftsmodell der Volks- und Raiffeisenbanken stärker denn je auf den Prüfstand.

In der Delphi Studie Bankentrends 2015, die Prof. Dr. Thorn Kring, Leiter des Instituts für Ethik, Führung und Personalmanagement an der Steinbeis-Hochschule Berlin, im Auftrag der ADG durchgeführt hat, erhielten insgesamt 40 Experten aus Volks- und Raiffeisenbanken die Möglichkeit, aktuelle Trends aus der Bankbranche zu bewerten. Ferner wurden sie gebeten Optionen aufzuzeigen, wie Volks- und Raiffeisenbanken auf diese Trends reagieren sollten. Die Studie wurde im Zeitraum von April bis September 2015 durchgeführt.

Aus Sicht der Experten wird der Vertrieb in den Banken zunehmend digital. Veränderungen in den Vertriebsprozessen werden ebenso erwartet und wie eine Straffung des Filialnetzes. Gewinnen können die Volks- und Raiffeisenbanken nach Einschätzung der Experten im Wettbewerb aber nur, wenn es ihnen gelingt, ihre vermeintlich Stärke der emotionalen Kundenbeziehung auch in einem digitalisierten Bankgeschäft erlebbar zu gestalten. Kunden sollen sich weiterhin mit ihrer regionalen Bank verbunden fühlen und ihr vertrauen.

Zentrales Thema aus Sicht der Steuerungsexperten ist die Umsetzung regulatorischer Anforderungen. Systeme und Prozesse in der Gesamtbanksteuerung müssen auf die Flut neuer Anforderungen angepasst werden. Mitarbeiter in der Steuerung müssen befähigt werden, nach außen allen Melde- und Berichtspflichten gerecht werden und nach innen die geschäftsrelevanten Neuerungen erklären zu können. Mit Blick auf Margen- und Kostendruck müssen Ertragspotenziale in der Preispolitik ausgereizt, Personalkosten reduziert und das Filialsystem gestrafft werden.

Die Produktion nimmt den Trend zur Digitalisierung auf. Die Experten setzen auf mehr Automatisierung, damit verbundenen Personalabbau und eine weitere Professionalisierung des Prozessmanagements. Impulse für eine kontinuierliche Verbesserung will man zudem in Innovationsnetzwerken generieren und von Kunden und anderen Branchen lernen.

Die Aktivitäten im Personalmanagement sind schließlich getrieben von einer angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt, von neuen Anforderungsprofilen, die sich durch die Digitalisierung der Bankenwelt herausbilden und die neue Personalentwicklungskonzepte erfordern. Das Personalmanagement sieht sich in der Verantwortung, Führungskräfte und Mitarbeiter fit für permanente und dynamische Veränderungsprozesse zu machen.

Zu den Ergebnissen der Studie werden in Kürze Webinare angeboten.

 Bild_Thorn Kring_2015

Prof. Thorn Kring ist Leiter des Instituts für Ethik, Führung und Personalmanagement an der Steinbeis-Hochschule Berlin

 

About the author

Walter Krupp - Mein Name ist Walter Krupp. Ich bin Leiter des Bereichs Research bei der Akademie Deutscher Genossenschaften. Ich beschäftige mich intensiv mit den Themenfeldern Digitale Transformation, insbesondere im Finanzdienstleistungsbereich, Arbeitswelten der Zukunft und Markenkern Genossenschaften.

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2 comments

Die Zukunft der Volks- und Raiffeisenbanken (und andere regionale Einheiten = KSK) sieht derzeit wahrlich nicht rosig aus; zumindest nicht für die derzeitigen Betriebsgrößen. Die Branche ist m.E. derzeit extrem defizitär unterwegs: einfache Rechnung: (Baufi-)Kredit für 10 Jahre mit ca. 1,40% Zinsertrag abzgl. Refi-Zinsaufwand (Sparbereich etc.) ca. 0,20% = Zinsrohertrag 1,20%; bei einer derzeitigen Kostenstruktur: Personalaufwand 1,0%+ andere Verw.auf. 0,5% + Kreditrisiko 0,1% = 1,60% Aufwand = 0,40% Defizit auf das Volumen. Und diese Geschäfte, die wir derzeit so abschließen sind mit diesen Zinssätzen bis ins Jahr 2025 in unseren Büchern! Wie bitte schön soll dies auf Dauer funktionieren? Können wir in unsere Gruppe den Gesamtaufwand auf 0,80% drücken? Und schon stellt sich die Frage: Müssen wir einfach nur größer werden (fusionieren)? Und dabei: Ist es sinnvoll nur noch größer zu werden, d.h. das nachmachen was andere schon sind? Oder haben wir als Gruppe auch andere Konzepte? Die regionale selbständige Einheit hat m.E. sehr viele Vorteile. Das sollten wir nicht aufgeben. Aber wir müssen auch nicht jeder das Rad erfinden: Wie viel Doppelarbeit machen wir in der Gruppe? Wie viel könnten wir vereinheitlichen und in einer Hand machen, bei gleichzeitiger Bewahrung der Selbständigkeit? Sind wir dazu bereit oder wie lange wollen wir uns das / wie lange können wir uns das noch leisten? Das sind m.E. die entscheiden Fragen. Kann man die konkreten Ergebnisse der Studie irgendwo nachlesen?

Sehr geehrter Herr Rauner,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Da kommen herausfordernde Zeiten auf die Banken zu!
Einen großen Artikel zur Studie wird es in der Bankinformation geben. Dieser Artikel ist avisiert für die Januar-Ausgabe 2016.
Beste Grüße
Walter Krupp

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