Rund 40% aller Warenhausfilialen wurden seit 2004 im Einzelhandel geschlossen, so eine aktuelle Studie von Roland Berger. Der Trend der Verlagerung weiterer Kundenströme in die Online-Welt scheint ungebrochen. Große Einzelhandelsketten wie Media Markt, Saturn, H&M, Esprit, Edeka, Rewe, Thalia, Tchibo oder Douglas, die in vielen deutschen Innenstädten vertreten sind, haben gleichzeitig Online-Shops, Mobile Webseiten, Mobile Apps und zahlreiche Facebook-Fans.
Weitere Trendstudien zur Zukunft des stationären Handels weisen auf eine drohende Verödung von Klein- und Mittelstädten hin. Hier drohen dann beispielsweise auch negative Auswirkungen  auf die Werte dortiger Immobilien. Gleichzeitig lässt sich festhalten, dass in Deutschland E-Commerce reift und trotz aktuellen Wachstums längst in der ersten großen Professionalisierungsphase steckt. Mittelfristig wird es zu stärkeren Konzentrations- und Konsolidierungsprozessen kommen. Für das Institut für Handelsforschung IFH wird es danach keine wirkliche Ablösung von realer Einkaufswelt durch Onlineshops geben. Vielmehr wird es zu einer zunehmenden Verschmelzung von stationärem Geschäft und Online-Handel kommen. In einem integrierten Cross-Channel-Geschäftsmodell bleibt das Einzelhandelsgeschäft, aber es bleibt nicht wie es ist.

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Mit „Click & Collect“ reift eine Vertriebsform, die deutsche Konsumenten zunehmend attraktiv finden: die Online-Bestellung wird in einem stationären Einzelhandelsgeschäft abgeholt. Hier greifen dann Vorteile, die digital aktuell nicht geboten werden können: persönliche und umfassende Fachberatung vor Ort, unmittelbarer Warentest vor Kauf, flexible Abholung, Versandkostenersparnis.
Das Geschäft als Abholstation für online bestellte Waren ist ein Cross-Channel-Ansatz, das stationäre Geschäft kann aber auch selbst digital transformiert werden zur Indoor-Erlebniswelt und zum Showroom. So können künftig auch neue Techniken wie interaktive Schaufenster, digitale Spiegel, virtuelle Umkleidekabinen oder Tablets zur Verkaufsunterstützung Kunden zunehmend in die Läden locken. So schreitet die Verschmelzung von E-Commerce, stationären Läden und virtueller Welt unaufhaltsam voran. Händler können ihre stationären Geschäfte virtuell nachbauen und die Kunden schlendern mit Hilfe einer Virtual-Reality-Brille durch die Produktpalette – was sich nach Zukunftsmusik anhört, ist technisch längst machbar. Im Spannungsfeld aus online und offline steckt für den Einzelhandel noch viel Innovationspotenzial, das sich lohnen kann auszuschöpfen.

Volksbanken und Raiffeisenbanken sollten sich eng mit ihrem jeweiligen Stadtmangement vernetzen. Es sind alle lokalen Kräfte aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bevölkerung zu bündeln, um die Werthaltigkeit von Innenstädten zu sichern. Speziell die Firmenkundenberater der Banken sollten ihren Kunden aus dem Einzelhandel dabei helfen, ein erfolgreiches Omnikanal-Konzept aufzusetzen, sie sollten Begleiter ihrer Einzelhandelskunden auf deren digitaler Reise sein. Die Verschmelzung von stationärem Geschäft mit der Online- und Mobile-Welt ist jedenfalls entscheidend für den zukünftigen Geschäftserfolg.

Ein ausführlichen Beitrag des Autors zur Frage „Was macht die Digitalisierung mit den Firmenkunden der Volksbanken und Raiffeisenbanken?“ finden Sie in der aktuellen Oktober-Ausgabe der BankInformation.

 

About the author

Walter Krupp - Mein Name ist Walter Krupp. Ich bin Leiter des Bereichs Research bei der Akademie Deutscher Genossenschaften. Ich beschäftige mich intensiv mit den Themenfeldern Digitale Transformation, insbesondere im Finanzdienstleistungsbereich, Arbeitswelten der Zukunft und Markenkern Genossenschaften.

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