Die digitale Transformation greift in allen Branchen um sich. Es steht fest, dass die Geschwindigkeit der Veränderungen – infolge der Digitalisierung – in Zukunft noch weiter zulegen wird. Auch die Landwirtschaft, bedeutendes Segment in der Firmenkundschaft vieler Volksbanken und Raiffeisenbanken, wird digital transformiert. Firmenkundenberater, die das Segment Landwirtschaft betreuen, sollten genau wissen, was digital los ist, um höchste Beratungskompetenz gegenüber ihren Kunden zu entfalten.

Die Zukunft in der Landwirtschaft ist digital, vernetzt und intelligent. Das sogenannte „Smart Farming“ hat zum Ziel, den Landwirt in allen Teilen seines Betriebes durch intelligente Elektronik zu entlasten und zusätzlich Kosteneinsparungen herbeizuführen. Mittels Cloud-basierter Lösungen kann der Landwirt im Feld, im Stall oder auch im Büro per Smartphone agieren.

In heutigen Landmaschinen stecken jede Menge Hard- und Software – sogenannte eingebettete Systeme. Traktoren und Anbaugeräte können miteinander kommunizieren und lassen sich per Smartphone oder Tablet steuern. Gehen beispielsweise einem landwirtschaftlichen Betrieb die Düngemittel aus, meldet dies der Düngemitteltank an die Zentrale und es läuft automatisch eine Bestellung direkt beim Düngerproduzenten ein – ohne Einschaltung von Zwischenhändlern! Mit Blick auf die Vernetzung ist in den letzten Jahren die Zahl der „Player“ in der Agrarbranche gestiegen: Neben Saatgut- und Düngerproduzenten mischen Sensorik- und Datenprovider mit, die zum Beispiel Geodaten und Wetterdaten oder Smartphone-Apps etwa zur Bestimmung von Pflanzenkrankheiten im Angebot haben.

Auch mit Mikrodrohnen wird die Landwirtschaft technisch revolutioniert. Ausgestattet mit Sensoren, Multispektralkameras oder GPS-Empfängern unterstützen Unmanned Aerial Vehicles (UAVs), wie Drohnen in der Fachsprache heißen, Landwirte beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, liefern zentrale Daten über die Bodenbeschaffung oder lassen Rückschlüsse auf die Aktivitäten von Feldmäusen in Getreidefeldern zu. Dieses sogenannte „Precision Farming“ (Präzisionsackerbau) ermöglicht es Landwirten beispielsweise auf jeden Quadratmeter genau die passende Düngermenge auszubringen.

Quelle: Fotolia - Alexander Kolomietz

Quelle: Fotolia – Alexander Kolomietz

Im Rahmen automatisierter Tierhaltungsverfahren spielt das Konzept des „Precision Livestock Farming“ eine zentrale Rolle. Durch eine ganzheitliche Betrachtung der Tierhaltung soll eine möglichst effiziente und tiergerechte Produktion von tierischen Erzeugnissen erzielt werden. So lösen z.B. auffällige Vitaldaten bei Kühen, per Sensoren oder Thermometer festgestellt, automatisch eine SMS an den Bauern aus, der weiß, ob eine Kuh bald kalbt.

Automatische Melkroboter werden bereits seit einigen Jahren eingesetzt und immer weiter optimiert. Das Melkgeschirr wird dabei automatisch und ohne, dass der Bauer manuell eingreifen muss,  mit Erkennungssystemen auf Basis von Ultraschall, Laser und optischen Sensoren an das Euter der Kuh angeschlossen. Per Transponder wird dabei jedes einzelne Tier erkannt. Falls eine Kuh gemolken werden muss, wird der jeweiligen Kuh genau bestimmtes Kraftfutter zugeteilt. Falls das Tier jedoch bereits vor kurzer Zeit gemolken wurde, wird es maschinell aus der Anlage hinausgetrieben ohne an Kraftfutter zu gelangen. Eine Vielzahl von elektronischen Baugruppen steuert alleine das gesamte System und sichert zugleich eine effektive Auswertung aller relevanten Daten zur Milch und zum Tier.

Eins ist klar: Landwirtschaftliche Betriebe mit Defiziten in der Digitalisierung werden zukünftig das Nachsehen haben. Wer aber als Landwirt die Digitalisierung als große Chance annimmt, wird von der facettenreichen Vielfalt der Digitalisierung schnell fasziniert sein und digitale Mehrwerte, die mehr sind als eine reine Optimierung von Prozessen, auch im eigenen Unternehmen forcieren.

Volksbanken und Raiffeisenbanken sollten ihre landwirtschaftliche Firmenkundschaft dazu ermutigen, die Auseinandersetzung mit diesen Chancen schon jetzt als Managementaufgabe wahrzunehmen und den digitalen Wandel in ihrem Landwirtschaftsbetrieb mitzugestalten. Um diese Beratungs- und Betreuungsaufgabe der Genossenschaftsbanken wirkungsvoll zu erfüllen, wird auch die Akademie Deutscher Genossenschaften die Firmenkundenberater mit passenden Angeboten im Rahmen der Digitalisierung der Märkte unterstützen.

About the author

Walter Krupp - Mein Name ist Walter Krupp. Ich bin Leiter des Bereichs Research bei der Akademie Deutscher Genossenschaften. Ich beschäftige mich intensiv mit den Themenfeldern Digitale Transformation, insbesondere im Finanzdienstleistungsbereich, Arbeitswelten der Zukunft und Markenkern Genossenschaften.

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