Samstagnachmittag, Papageno-Kindertheater, der Saal ist voll. Auf der Bühne jagen Emil und die Detektive einen Dieb quer durch das Berlin der 1920er Jahre. Wer die wundervolle Geschichte von Erich Kästner nicht kennt, muss an dieser Stelle wissen, dass der fiese Herr Grundeis dem kleinen Emil Tischbein 140 Mark gestohlen hat. Als der Ganove versucht, das Geld bei einer Bank einzuzahlen, wird er von Emil und seinen Freunden überführt und schließlich verhaftet. Während ich dem bunten Treiben zuschaue, bleiben meine Blicke beim Bankmitarbeiter auf der Bühne hängen.

Überraschender Besuch

Akkurat gescheitelt und mit Ärmelschonern versehen, entspricht er dem Geist der damaligen Zeit. „Ein Bankbeamter“, schießt es mir durch den Kopf. Was für ein Kontrast zu dem, was ich noch am Vorabend erlebt hatte. Am besagten Abend saß ich reichlich entspannt im heimischen Wohnzimmer. Es muss gegen Acht gewesen sein, das Laptop auf dem Schoß, im Hintergrund lief das Radio. Soeben hatte ich bei einem FinTech ein Konto eröffnet. Mal sehen, was die neue Konkurrenz so drauf hat. Die Frage nach der Legtimation stand an. PostIdent, der Klassiker, und dann als Alternative das: ID now, eine Möglichkeit, sich per Bildtelefonie zu legitimieren (www.idnow.de). Anklicken, App für mein Smartphone runterladen, per SMS zugesendete PIN eingeben, fertig.

Das klingt nicht nur einfach, es lief tatsächlich wie am Schnürchen. Ehe ich mich versah, stand auf dem Bildschirm meines iPhones der Hinweis „Die Verbindung wird hergestellt.“ Mich überkam ein leicht panisches Gefühl. Kann es sein, dass ich in wenigen Sekunden Besuch bekomme? Und das, obwohl meine Garderobe, höflich formuliert, wenig formvollendet aussah. Während ich mir noch hektisch durch die zerzausten Haare fuhr, um optisch zu retten, was nicht mehr zu retten war, begrüßte mich ein unbekannter Krawattenträger auf meinem Bildschirm mit einem freundlichen „Guten Abend“. Einen Augenblick später war ich legitimiert und wieder allein in meinem Wohnzimmer. An diesem Freitagabend erlebte ich digitales Banking in Reinform. Das war sie also, die vieldiskutierte Zukunft.

digital tablet

© Konstantin Yuganov – fotolia.com

Von Emil lernen

Doch zurück zu Emil und seinen Detektiven. Als ich den Bankmitarbeiter sehe, muss ich zunächst lachen. Mensch Bank, wie haste Dir verändert in den letzten 100 Jahren! Ich stelle mir allerdings auch die Frage, ob unsere heutige Art Bankgeschäfte zu betreiben, irgendwann genauso antiquiert wirken wird wie der Mann auf der Bühne in seinem Kostüm. Vermutlich ja. Wie werden wohl die Kinder, die an diesem Tag begeistert der Geschichte im Theater folgen, Banking wahrnehmen? Und zwar nicht in hundert sondern in zehn, fünfzehn Jahren. Nach dem Erlebnis mit ID now habe ich eine Ahnung davon, wie die Zukunft aussehen könnte – flexibel, mobil, transparent, einfach. Was heisst das für uns? Der Weg in die digitale Zukunft ist kein Hexenwerk. Er ist aber auch kein Selbstläufer, den man als Bank mal eben im Vorbeigehen meistert. Vielleicht sollten wir uns ein Beispiel an Emil nehmen. Wissen Sie, warum die Geschichte für ihn am Ende gut ausgeht? Er hat Freunde, die ihm helfen. Gemeinsam sind sie stark – kommt Ihnen das nicht bekannt vor?

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Tobias Stier -

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