Stellen Sie sich Folgendes vor: Sie sitzen mittags um 12:00 Uhr im obersten Rang eines Erstliga-Stadions der Fußballbundesliga. Ein Mann betritt das Rasengrün. Unter dem rechten  Arm trägt er ein Gummiboot, in der linken Hand hat eine Zauberpipette, aus der Wasser kommt. Das Besondere an dieser Pipette: Mit jeder Sekunde verdoppelt sich die Menge an Wasser, die aus ihr kommt, Also erst ein Tropfen, dann zwei, dann vier, usw. Jetzt die Frage an Sie: Wann stehen Sie auf, weil Sie fürchten nasse Füße zu bekommen? Nach 3 Stunden, nach 6 Stunden, nach 9 Stunden?

Die Lösung: Um 12:45 Uhr ist das Stadion gerade mal am Boden komplett mit Wasser bedeckt! Aber bereit um 12:50 Uhr ist das Stadion komplett mit Wasser voll! Spätestens 12:49 Uhr sollten Sie also ganz rasch das Stadion verlassen haben. (vgl. Blog Modernsurvival).

Wir Menschen tun uns schwer damit, solche exponentiellen Funktionen wirklich zu begreifen. Die Verdoppelung eines Wertes ist eben nicht die Folge von 2, 4, 6, 8, 10 …, sondern 2, 4, 8, 16, 32, 64 …

Betrifft uns das? Ja, sehr sogar. Denn eine dieser exponentiellen Funktionen ist das sog. Moorsche Gesetz: Alle 18 Monate verdoppelt sich die Rechenleistung von Prozessoren. Schon heute können Sie auf ihrem Smartphone Rechenleistungen machen, für die Sie vor 3 Jahren noch einen echten Supercomputer gebraucht hätten. Und diese Entwicklung geht weiter, so dass Computer in Zukunft über eine nie dagewesene Rechnerleistung verfügen werden. Was bedeutet das? In Zukunft wird immer öfter die Frage gestellt, ob Arbeit vom Menschen oder nicht eben von einem Rechner gemacht wird. Am Horizont sehen wir dies schon: Selbstfahrende Autos, Computer, die eigenständig Computerprogramme schreiben, Superrechner, die eigenständig Aktiengeschäfte vornehmen und dabei ständig lernen. Und auch das ein Beispiel, wie weit die Entwicklungen heute schon sind:

https://youtu.be/M8YjvHYbZ9w

Exponentielle Entwicklungen erzeugen vor allem auch Unsicherheit! Denn die Zukunft wird immer weniger vorhersagbar. Unternehmen tun also gut dran, zum einem frühzeitig solche Entwicklungen wahrzunehmen.

Um im oberen Bild mit dem Stadion zu bleiben: Wenn Sie erst um 12:46 Uhr erkennen, dass ihr Kerngeschäft massiv angegriffen wird, haben sie gerade mal 3 Minuten zum Gegensteuern.

Zum anderen müssen Unternehmen viel agiler werden, um sich rasch ändernden Marktgegebenheiten anpassen zu können. Immer öfter kommen dabei Methoden zum Einsatz, wie sie in bisher vor allem bei Start-Ups verwendet wurden: Design Thinking, Scrum für agiles Projektmanagement oder Lean Start-Up. Die Idee hinter allen Ansätzen ist: Anstelle Projekte komplett von A bis Z durchzuplanen, werden zunächst kleine Umsetzungen vorgenommen, diese beim Kunden verprobt und danach immer weiter verfeinert. Beim Lean Start-Up spricht man von einem Minimum Viable Product, also einem Produkt, das zwar nicht fertig, aber auf jeden Fall im Kern funktionstüchtig ist. Anstelle langer Planungen stehen also rasche Umsetzungen im Vordergrund. So wird die Komplexität im Griff gehalten, die Umsetzung erfolgt viel rascher und das jeweils unter Einbeziehung von Kunden, wenn Teilschritte fertig sind. Im besten Fall bekommen Unternehmen so ein Produkt, dass Kunden wirklich wollen. Und die Umsetzung erfolgt in einer kürzeren Zeit!

Setzen Sie auch schon solche Methoden ein? Wie gehen Sie mit exponentiellen Entwicklungen bei sich in der Bank um?

About the author

Carsten Rhinow(http://www.adgonline.de) - Mein Name ist Carsten Rhinow und ich bin bei der Akademie Deutscher Genossenschaften als Spezialist für Digitale Medien & Lerninnovationen tätig. Ich beschäftige mich intensiv mit der Frage, wie das Lernen/Lehren, die Personal- und die Organisationsentwicklung in Zukunft stattfinden wird. Neben den neuen technischen Möglichkeiten in diesen Bereichen interessiert mich vor allem die Frage, wie Organisationen so agil gestaltet werden können, dass diese sich mit allen Mitarbeitern flexibel an eine sehr dynamische und komplexe Umwelt anpassen zu können.

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