„In 30 Metern bitte rechts abbiegen …. Sie haben Ihr Ziel erreicht!“ – so klingt die sympathische Frauenstimme aus dem Navigationsgerät.

Lang sind die Zeiten vorbei, wo Autofahrer umständlich mit tückisch gefalteten Karten ihr Fahrtziel suchten. Heute  kommen alle Information zur Fahrtroute direkt aus dem Navi oder Smartphone. Und das ist sehr bequem: So kann man direkt losfahren und wird in Echtzeit sogar über Staus oder Baustellen informiert.

Jetzt sind Navis nur eines der Anwendungsgebiete, wo Rechner längst die Kontrolle übernommen haben. Ein anders Gebiet ist und wird künftig noch mehr die Medizin sein. Schon heute nutzen Ärzte den IBM-Großrechner Watson (der 2011 bei dem Fernseh-Wissen-Spiel Jeopardy als Gewinner gegen zwei Menschen  hervorging). Watson ist in der Lage, 200 Millionen Seiten in Dokumenten innerhalb von 3 Sekunden auf relevante Informationen zu durchsuchen.

Gerade bei schwierigen Therapien mit verschiedenen Medikamenten kann ein einzelner Arzt kaum noch auf dem aktuellen Stand der Forschung bleiben, geschweige denn die teils hochkomplexen Wechselwirkungen zwischen Medikamenten kennen. Die AOK schätzt die Anzahl der Behandlungsfehler in Deutschland auf rund 190.000 Fälle pro Jahr.

Wer würde da nicht lieber einem Arzt vertrauen, der sich ein zusätzliches Urteil eines Supercomputers einholt, bevor er die Behandlung startet?

Doch nicht nur die Arbeit von Ärzten wird stark von den neuen technischen Möglichkeiten beeinflusst werden:

„Wir werden in den kommenden Jahren eine Devaluation des Expertentums erleben, die große Teile unserer Arbeitswelten radikal ändert und neue Märkte entstehen lässt.“ (Janszky/Abicht, 2025 – So arbeiten wir in der Zukunft, S. 30)

Viele heutige Berufe heute leben von der Asymmetrie der Informationen: Ein Technik-Berater kennt sich bei Tablet-PCs besser als ein Käufer aus, eine Buchhändlerin kann gute Kinderbücher empfehlen, ein Bankberater die passende Geldanlage. Doch wie lange noch? Denn mehr und mehr kennen sich Kunden dank Internet besser aus als die Berater.

„Die offenen Flanken des Finanzsektors bieten industriefremden Akteuren, vor allem technologiegetriebenen Internetunternehmen, zunehmend die Möglichkeit, in die Märkte für einfache Finanzdienste einzutreten. Vielen gelingt es, frühzeitig technologische Entwicklungen zu antizipieren und diese mit den modernen Kundenwünschen optimal zu verbinden.“ (Deutsche Bank Research; Fintech – Die digitale (R)evolution im Finanzsektor, 2014)

Dank mobilen Geräten, neuerdings auch sog. Wearables wie Fitnessarmbändern oder Smartwatches,  und vor allem der Cloud-Technik stehen den Unternehmen immer mehr Informationen über Kunden, deren Gewohnheiten, Zielen und Wünschen zur Verfügung.

Als Marketing-Botschaft soll mit den Cloud-Diensten vor allem die stete Verfügbarkeit der Daten an jedem Ort und auf jedem Gerät verbunden werden. Im Grunde geht es den Unternehmen aber vor allem, dass die Kunden in der Cloud möglichst viel von sich preisgeben. Denn künftig haben wir nicht nur ein iPad und ein iPhone, sondern auch ein iAuto, ein iSpiegel und eine iWaage haben. Den Vorteil werden vor allem jene Unternehmen ziehen können, die all diese Daten zusammen führen und daraus für den Kunden höchstindividuelle und hochgradig passende Empfehlungen ableiten können. Die Voraussetzung dafür ist ein identisches Betriebssystem auf allen Geräten:

„Wir erleben gerade den Verteilungskampf um das Betriebssystem unseres Lebens!“ (Janszky/Abicht, 2025 – So arbeiten wir in der Zukunft, S. 29).

Ob und wann es so weit ist, wird vor allem von einer Frage abhängen: Wem vertraue ich?

Vor allem werden es jene Unternehmen sein, die bereits heute ein großes Kundenvertrauen besitzen, für eine sehr hohe Transparenz gegenüber ihren Kunden sorgen, was mit den Daten gemacht wird und dem klaren Bekenntnis,  dass diese nicht weitergegeben oder verkauft werden. Dann lassen sich Kunden eher auf eine virtuelle Empfehlung ein.

Noch ist es nicht so weit, was sich an den Bezahlverfahren in Deutschland zeigt. Nach wie vor steht hier das Bargeld weit an der Spitze:

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Quelle: Statista, 2014

Sollte dies alles so eintreffen, wird es das Banking und Banken in der Form wie wir es heute kennen, nicht mehr geben: Für einfache Produkte kommen die Empfehlungen, eine Beratung und der Direktabschluss per Algorithmus auf Basis von Big/Smart-Data Analysen direkt aus dem Rechner. Ein virtueller Finanzassistent wird auf Basis von Vergangenheitsdaten die zukünftige Ein- und Ausgaben kennen und diese vorsorglich bei Käufen darauf hinweisen, dass sie damit ihr Konto überziehen werden.

Ob wünschenswert oder nicht: Die Banken werden aufgrund des anhaltend niedrigen Zinsniveaus und der zunehmenden Bankenregulatorik Wege suchen, vor allem den großen Kostenblock der Personalkosten zu reduzieren.

Auf der anderen Seite wissen heute die großen digitalen Ökosysteme wie Amazon, Google oder facebook schon heute mehr über ihre Kunden als Banken. Und einige dieser Unternehmen besitzen bereits auch schon eine Banklizenz. Das „Wettrennen“ in der Zukunft wird vor allem über das Vertrauen der Kunden entschieden werden.

About the author

Carsten Rhinow(http://www.adgonline.de) - Mein Name ist Carsten Rhinow und ich bin bei der Akademie Deutscher Genossenschaften als Spezialist für Digitale Medien & Lerninnovationen tätig. Ich beschäftige mich intensiv mit der Frage, wie das Lernen/Lehren, die Personal- und die Organisationsentwicklung in Zukunft stattfinden wird. Neben den neuen technischen Möglichkeiten in diesen Bereichen interessiert mich vor allem die Frage, wie Organisationen so agil gestaltet werden können, dass diese sich mit allen Mitarbeitern flexibel an eine sehr dynamische und komplexe Umwelt anpassen zu können.

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