Das Erschaffen von Neuen – also Innovationen – stehen bei vielen Unternehmen ganz weit oben in der strategischen Ausrichtung und Bedeutung. Denn die Bedürfnisse der Kunden ändern sich stetig, mit der Digitalisierung kommen neue Möglichkeiten (und auch neue Wettbewerber) dazu und die Produktzyklen werden immer kürzer.

Dabei werden fast alle Unternehmen von sich sagen, dass sie innovativ sind. Die Frage ist daher, in welchem Grad und mit welcher Geschwindigkeit Innovationen umgesetzt werden:

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Quelle: I-ADG Projekt

Bei Unternehmen mit dem Schwerpunkt „inkrementell“ steht die permanente Prozessoptimierung im Vordergrund, bei der Bestehendes laufend überprüft, bewertet und weiter optimiert wird.

Sorgenfalten treiben den Unternehmen vor allem jene junge Unternehmen in die Stirn, die auf radikale Innovationen aus sind und diese mit hoher Geschwindigkeit in den Markt bringen. Bei Finanzdienstleistungen sind dies die FinTechs, die radikal andere Lösungen als die Banken anbieten. Beispielsweise bietet die Anlageplattform Vaamo eine komplette Selbstberatung für Kunden über einen sehr strukturierten Prozess an. Ein Berater wird dabei nicht mehr gebraucht. Auch große IT-Unternehmen setzten auf permanente Innovationen und schielen dabei vermehrt auf den Bankenbereich (z. B. in Form von Mobile Payment von Apple).

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Quelle: Gründerszene

Gerade radikale Innovationen – also das Erfinden völlig neuer Geschäftsmodelle in neuen Zielgruppen – bringt immer auch das Potenzial des Scheiterns mit sich. Denn am Ende entscheidet der Kunde, was Top oder Flop ist. Im Innovationsmanagement ist daher die Frage, ob ein Unternehmen ein First Mover sein will: Also jenes Unternehmen, das die radikale Innovation als wirklich erster am Markt hat.

Der Vorteil: Wenn es funktioniert, hat man zumindest temporär eine Monopolstellung und entsprechende Erträge. Auf der anderen Seite ist das Risiko des Scheiterns hoch. Zudem kann auch eine sehr gute Idee sehr schnell kopiert werden.

Es gibt daher Unternehmen, die sich auf eine Rolle als sog. CopyCat fokussieren: Sehr früh innovative Ideen und Geschäftsmodelle aufzunehmen, zu veredeln und mit entsprechendem Budget rasch in die Märkte zu bringen.

Andere Unternehmen wiederum warten ab, ob sich eine Innovation am Markt durchsetzt und reagieren dann. Dies ist sicherlich der risikoärmste Weg, birgt aber auch das Potenzial, dass man als Unternehmen den Zug der Zeit verpasst. Nokia und Kodak werden oft als Beispiel genannt. Ein anderes Beispiel ist die Traditionsfirma Osram: Diese hat zu spät erkannt, dass LED die klassischen Glühlampen schneller ablösen werden als gedacht. Nun stehen in Deutschland 1.700 Entlassungen und 6.100 weitere im Ausland an (Quelle: Süddeutsche Zeitung).

In Richtung radikaler Innovationen zu gehen, ist ein Kraftakt für Unternehmen: Denn es bedarf einer Kultur, in der das Scheitern als Chance und nicht als Misserfolg angesehen wird. Es bedarf eines notwendigen Abstandes zu sich selbst, um zu sehen, dass Dinge, die in der Vergangenheit funktioniert haben, ggf. in der Zukunft keinen Bestand haben werden. Es bedarf auch einer Kultur des Querdenkens, um wirklich Neues zu schaffen. Das alles erfordert Mut.

Gerade der Wert „Mut“ kam in einer Führungskräfte-Befragung der Wertekommison des Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung und Corporate Governance (RMI) der Universität Witten/Herdecke auf den letzten Platz mit gerade mal 2,2 % der Befragten als wichtigsten Wert. Ganz vorne rangiert der Wert „Integrität“ – also das Sich-Orientieren an Werten, aber auch das strikte Befolgen von Regeln.

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Quelle: Wertekommision, 2014, S. 13

Dies ist auch sicherlich eine Folge, dass Compliance in Unternehmen eine immer wichtigere Rolle spielt. Förderlich für Innovationen ist diese Entwicklung aber sicher nicht.

Welche Rolle spielen bei Ihnen Innovationen im Unternehmen? Wie schätzen Sie ihr Unternehmen ein: Eher radikal oder eher inkrementell? Setzen Sie bewusst auf Mitarbeiter mit einem Erfahrungshintergrund aus anderen Branchen? Wie mutig ist ihr Unternehmen bei Neuem?

About the author

Carsten Rhinow(http://www.adgonline.de) - Mein Name ist Carsten Rhinow und ich bin bei der Akademie Deutscher Genossenschaften als Spezialist für Digitale Medien & Lerninnovationen tätig. Ich beschäftige mich intensiv mit der Frage, wie das Lernen/Lehren, die Personal- und die Organisationsentwicklung in Zukunft stattfinden wird. Neben den neuen technischen Möglichkeiten in diesen Bereichen interessiert mich vor allem die Frage, wie Organisationen so agil gestaltet werden können, dass diese sich mit allen Mitarbeitern flexibel an eine sehr dynamische und komplexe Umwelt anpassen zu können.

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