Mit der rasanten Entwicklung der Digitalisierung und den Rechenkapazitäten, wird die Frage zur Zukunft der Arbeit mehr und mehr eine Frage von „Über“ oder „Unter“ sein? Konkreter: Arbeiten wir unter einem Computer, der uns Algorithmen basiert detailliert vorschreibt, welcher Arbeitsschritt genau zu erledigen ist. Oder arbeiten wir über einem Computer, indem wir eben solche Algorithmen erstellen, auf Basis großer Datenmengen neue Software und Geräte schaffen, die zu einer weiteren Produktivität führen?

Was wie ein noch weit entferntes Zukunftsszenario klingt, ist heute in bestimmten Branchen schon Alltag. Nehmen Sie beispielsweise die Logistik-Branche: In den Lagerhallen der großen Online-Versandhändler arbeiten sog. „Picker“, die die bestellten Waren aus den jeweiligen Regalen heraussuchen und zusammenstellen. „Gesteuert“ werden sie über kleine Handcomputer, die exakt im Lager den kürzesten Weg für die Picker errechnen und vorgeben.

Und längst hat der Computer in den Hochtechnik-Bereichen die Kontrolle  – z. B. bei der Steuerung von ICEs oder als Autopilot im Flugzeug – übernommen.

Zukünftige Computer werden dem menschlichen Gehirn weit überlegen sein: Aktuell können Menschen bis zu 1.013 Rechenoperationen pro Sekunde ausführen, Supercomputer kommen heute auf 1.014 Rechenoperationen. Nach dem Moorschen-Gesetz verdoppelt sich alle 18 Monate die Rechenleistung von Prozessoren: So werden im Jahr 2020 Computer für 1.000 Dollar verfügbar sein, die die Rechenleistung des menschlichen Gehirns haben. 2040 gibt es dann einen Computer für 1.000 Dollar, der über die  Rechenleistung aller menschlicher Gehirne auf der gesamten Welt verfügt (siehe: Jansky/Albricht: 2025 – So arbeiten wir in der Zukunft, S. 33).

Was bleibt also dem Menschen? Dazu ein Schwenk in einen ganz anderen Bereich: DJs. Früher bestand die DJ-Kunst darin, zwei Platten mit der Hand so in der Geschwindigkeit anzupassen, dass der Übergang von Platte 1 auf Platte 2 nicht zu hören war. Dieses Synchronisieren der Beats macht heute der Computer ganz automatisch. Und mehr noch: Der Rechner schlägt Lieder vor, die harmonisch zu dem vorherigen Lied exakt passen. Was der Computer aber nicht gut kann, ist das Kommunizieren und Interagieren mit den Menschen. Aber genau so entstehen Emotionen und machen den Reiz von Festivals elektronischer Musik aus.

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Quelle: Hardwell and Tiesto@Aftermovie Tommorowland Festival, 2014

Das emotionale Miteinander, die Fähigkeit zur Empathie und die Intuition werden auch die Schwerpunkte künftiger menschlicher Arbeit sein. Andere Tätigkeiten und ganze Berufe werden dagegen komplett auf den Rechner übergehen. Nach einer Studie der Universität von Oxford werden in den USA in den nächsten 20 Jahren folgende Berufe nahezu wegfallen ( %-Angaben: Wahrscheinlichkeit des Wegfalls):

  • Immobilienmakler (97 %)
  • Bürokaufleute (96 %)
  • Restaurant-Köche (96 %)
  • Taxifahrer, Chauffeure (89 %)
  • Ökonomen (43 %)

Quelle:  Der Sieg der Algorithmen // Spiegel 17/2014

Wie weit die Technik beim autonomen Autofahren heute schon ist, hat Audi eindrucksvoll bewiesen. Ein umgebauter Audi RS7 fuhr im Herbst 2014 völlig autonom mit 240 Km/h eine Rennrunde auf dem Hockenheim:

http://youtu.be/rifK0w9OLQo

Die Technik, die dabei zum Einsatz kommt, ist heute bereits in den normalen Straßenversionen eingebaut: Bremsassistenten, Spurassistenten, Einparkhilfen.

Auch das ein Zeichen: Was heute noch als Assistent bei Nutzern und Mitarbeitern im Einsatz ist, kann morgen schon ein komplett automatisierter Prozess sein. Hans Wagner, ehemaliger Vorstandssprecher von PricewaterhouseCoopers plädiert dafür, sich gar nicht erst auf den Wettstreit Mensch vs. Maschine einzulassen, sondern wie schon oben erwähnt,

 „auf all jene menschlichen Stärken [zu] konzentrieren, die sich 2025 noch nicht berechnen lassen: das Fühlen, die Emotion und die Intuition“ (Jansky/Albricht: 2025 – So arbeiten wir in der Zukunft, S. 75).

Wie sehen Sie die Zukunft der Arbeit? Wird es eher eine Gegenbewegung gegen die Digitalisierung geben? Was bedeuten diese technischen Möglichkeiten für das Banking der Zukunft und für die Mitarbeiter Ihrer Häuser?

About the author

Carsten Rhinow(http://www.adgonline.de) - Mein Name ist Carsten Rhinow und ich bin bei der Akademie Deutscher Genossenschaften als Spezialist für Digitale Medien & Lerninnovationen tätig. Ich beschäftige mich intensiv mit der Frage, wie das Lernen/Lehren, die Personal- und die Organisationsentwicklung in Zukunft stattfinden wird. Neben den neuen technischen Möglichkeiten in diesen Bereichen interessiert mich vor allem die Frage, wie Organisationen so agil gestaltet werden können, dass diese sich mit allen Mitarbeitern flexibel an eine sehr dynamische und komplexe Umwelt anpassen zu können.

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