Sommer 1991: Zusammen mit rund 25 anderen hatte ich meine Ausbildung als Bankkaufmann erfolgreich bestanden. Wir waren bunt gemischt: Sparkasse, Dresdner Bank (die gab es damals noch), Deutsche Bank, Commerzbank.

Heute, fast ein Vierteljahrhundert später,  ist von den 25 Bankkaufleuten kaum noch einer in einer Bank tätig. Viele gingen ins Studium und sind heute als Rechtsanwälte, Filmemacher, Restaurant-Besitzer oder Berater in IT-Unternehmen unterwegs. Mich selber verschlug es in die New Economy zu einer E-Learning-Agentur.  Das war so wie man es sich vorstellt: Etwas unstrukturiert, viel Arbeit, immer was Neues und eine tolle Möglichkeit zu Lernen. Ich war für didaktische Konzepte zuständig und hatte in den Projekten viel an den Schnittstellen zur Programmierung und Design zu tun. Und lernte so ganz nebenbei vieles, was heute noch extrem hilfreich für meine Arbeit ist:

Was ist der Unterschied zwischen Java und JavaScript? Was sind Cross-Browser-Umsetzungen? Wofür verwendet man Cookies? Warum brauchen Web-Bilder nur 72 dpi-Auflösung? Wie baut man mal schnell einen Funktions-oder Design-Prototypen? Was ist HMTL5?

Ohne Frage wird alle Unternehmen – egal in welcher Branche – das Thema Digitale Transformation umtreiben. Die Möglichkeiten mit und über das Internet werden in Zukunft über solche Themen wie BigData, Internet der Dinge, intelligente Sprachassistenten und Echtzeitanalysen weiter steigen. Nehmen Sie als aktuelle Entwicklung die Möglichkeiten von WebRTC: Das steht für Web Real-Time Communication und bezeichnet die Möglichkeiten, dass Live-Videoübertragungen ohne jegliche Zusatzinstallation direkt im Browser gezeigt werden können. Das kann z. B. von Banken genutzt werden, um Kunden bei Kontoeröffnungen zu legitimieren oder auch Beratungen zu Geldanlagen oder Krediten anzubieten. Dabei ist zukünftig nicht sicher, dass es immer eine Bank sein wird, die solche Services anbietet.

Kritisch ist, dass im europäischen Vergleich in Deutschland die Kenntnisse zum Internet nicht sehr ausgeprägt sind:

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Quelle: Statista, 2014

Hier haben andere Länder deutliche Vorteile. Fehlende Kenntnisse moderner Internettechniken sind aus mehrfacher Sicht unternehmenskritisch:

  • Ein bewährtes Analyse-Tool in der strategischen Analyse sind die sog. 5 Wettbewerbstreiber nach Porter. Hier ist zu fragen, welche Entwicklungen dazu führen können, dass Kunden Bankprodukte gegen andere Produkte austauschen. Beispielsweise könnte es sein, dass Kunden verstärkt Mobile Payment-Verfahren einsetzen und Firmen wie Apple, facebook und Co. dafür eigene Konten oder digitale Währungen anbieten. Eine Bank wäre dann nicht mehr notwendig. Es werden auch neue Wettbewerber – vor allem aus den Bereichen IT/Telekommunikation – gegen etablierte Banken antreten. Auch hier ist es wichtig, dass frühzeitig auf dem strategischen Radar zu haben.
  • Zu geringe Kenntnisse in Internettechniken verhindern Innovationen: Um digitale Innovationen im eigenen Unternehmen voranzutreiben, bedarf es vertiefter Kenntnisse moderner Techniken. Auch hier ein Beispiel: Eine der großen Trends auf Kundenseite wird mit SoLoMo beschrieben: Sozial (z. B. über Netzwerke wie facebook), Lokal (z. B. bestimmte Informationen an bestimmten Orten bekommen) und Mobil (über entsprechende Endgeräte). Die Herausforderung für Unternehmen: Kunden wollen stringent über alle Wege hinweg zu den von ihnen gewünschten Informationen und Produkte gelangen. Dabei ist die Kunst für Unternehmen, diese sog. Touch-Points unternehmensübergreifend und aus Kundensicht zu gestalten und laufend weiter zu entwickeln.

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Quelle: Leitfaden Praxisleitfaden Digitale Transformation (2013, S. 34)

  • Die Möglichkeiten der kreativen Auseinandersetzung mit aktuellen Entwicklungen (auch den nicht digitalen Wegen) machen einen Arbeitgeber attraktiv. So hat die Mainzer Volksbank auf dem Uni-Campus ein Lounge-artiges Banking installiert. So zeigt die Bank auch, dass sie ein attraktiver Arbeitgeber für künftige Absolventen ist.

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Quelle: Mainzer Volksbank, Campus-Banking

Dabei kann es gut sein, dass ihre Mitarbeiter durchaus schon vielfältige Fähigkeiten im Digitalen mitbringen: Einige pflegen z. B. den facebook-Auftritt ihres Sport-Vereines, andere videochatten mit ihren Kindern oder Enkelkinder über Skype oder Google Hangouts. Wieder andere drehen kleine Videos, bearbeiten diese und laden sie auf YouTube hoch. Aber kennen Sie als Bank diese Kompetenzen ihrer Mitarbeiter?

Wie gehen Sie in der Bank mit dem Thema digitale Kompetenzen um? Auf welche Weisen fördern Sie im Sinne der Neugierde das Auseinandersetzen mit zukünftigen Trends und Entwicklungen? Inwieweit spielen digitale Kompetenzen bei der Einstellung neuer Mitarbeiter eine Rolle? Schauen Sie sich bewusst auch Entwicklungen in anderen Branchen (z. B. Handel, Automobil) an, um daraus ggf. zu lernen?

About the author

Carsten Rhinow(http://www.adgonline.de) - Mein Name ist Carsten Rhinow und ich bin bei der Akademie Deutscher Genossenschaften als Spezialist für Digitale Medien & Lerninnovationen tätig. Ich beschäftige mich intensiv mit der Frage, wie das Lernen/Lehren, die Personal- und die Organisationsentwicklung in Zukunft stattfinden wird. Neben den neuen technischen Möglichkeiten in diesen Bereichen interessiert mich vor allem die Frage, wie Organisationen so agil gestaltet werden können, dass diese sich mit allen Mitarbeitern flexibel an eine sehr dynamische und komplexe Umwelt anpassen zu können.

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