Die sozialen Medien haben im privaten Bereich längst ihren festen Platz gefunden. Kurze Statusmeldungen werden über twitter oder facebook verteilt, Bilder über Instagram oder Pinterest hochgeladen, Terminvereinbarungen über Doodle gemacht und die Gespräche mit den Enkel über Google Hangouts geführt. Und wer etwas kaufen möchte, verlässt sich auf die Rezensionen bei Amazon.

Mit Web 2.0 –also dem sog. Mitmach-Web – änderte sich die Rolle des Nutzers im Netz: Anstelle nur Inhalte zu konsumieren, können nun eigene Inhalte wie Bilder, Texte oder Bemerkungen eingestellt werden.

Schnell, einfach und praktisch – so werden soziale Medien wahrgenommen. So ist es kein Wunder, dass Unternehmen auch früh angefangen haben, diese neuen Möglichkeiten auch intern nutzen zu wollen. Bereits im Jahr 2006 hat Andre P. McAfee dafür den Begriff des Enterprise 2.0 geprägt.

Verständlicherweise will ein Unternehmen kaum seine interne Kommunikation über facebook oder Google+ laufen lassen. Von daher haben sich im Unternehmensumfeld Anwendungen wie z. B. YammerSAP Jam oder Jive etabliert. Wirklich etabliert?

Nach einer Umfrage der Wiesbaden Business School (Stand: 05/2013) befassen sich 60 % der Unternehmen mit diesem Thema. Als Motivation werden folgenden Ziele genannt, die mit Enterprise 2.0 verbunden werden:

  • Verbesserung der internen Kommunikation & Zusammenarbeit (89 % Zustimmung)
  • Verfügbarmachen von implizitem Wissen (62 % Zustimmung)
  • Verbesserung der Speicherung von Wissen (53 %)
  • Erhöhung der Produktivität (35 % Zustimmung)

Quelle: Studie zu Enterprise 2.0 Wiesbaden Business School

Die Verbesserung der Kommunikation ist der Haupttreiber für Enterprise 2.0. Der eine Grund ist die Flut an Mails, die tagtäglich bei allen Mitarbeiter eingehen. Nach einer Studie von Bain & Company erhalten Führungskräfte pro Jahr 30.000 Mails. Zum Vergleich: In den 70er Jahren hat eine Führungskraft pro Jahr rund 1.000 Anfragen und Mitteilungen bekommen (Quelle: Bain & Company, 2014).

Mehr und mehr tritt das Thema Produktivität und Enterprise 2.0 in den Vordergrund. Denn moderne Wirtschaften zeichnen sich mehr und mehr dadurch aus, dass ein großer Teil der Tätigkeiten in der sog. Wissensarbeit liegt.

wissensarbeit

Quelle: Zukunftsinstitut, Mega-Trend-Dokumentation, Heft 04; Neues Lernen (2013)

Nach einer Studie von McKinsey lassen sich durch den Einsatz von Social Enterprise und Social Media zwischen 20 und 25 % an Produktivitätsvorteile nutzen.

Eine sehr konsequenten Weg bei dem Thema Enterprise 2.0 ist die Firma Synaxon gegangen: Hier werden fast alle internen Daten, Ideen, Unterlagen, etc. über ein internes sog. Wiki allen 2.800 angeschlossenen Franchise-Nehmer zur Verfügung gestellt. Dabei gilt: Es kann jeder ohne Freigaberechte direkt im Wiki auch Sachen ändern – inkl. der Unternehmensregeln.

In der genossenschaftlichen FinanzGruppe hat u. a. die Volksbank Bühl eine eigene Enterprise 2.0 Lösung eingeführt. Einer der Schwerpunkte ist dort der Ideenraum:

„Wir haben unser bisheriges betriebliches Vorschlagswesen gepimpt. Ideen werden nun von allen Kolleginnen und Kollegen eingestellt, gemeinsam weiterentwickelt (durch Kommentare) und priorisiert (durch “Gefällt mir”). Somit können sich alle Kolleginnen und Kollegen bei der Ideenfindung und -priorisierung beteiligen. Außerdem gibt es jetzt Ideenkampagnen, bei denen wir über einen definierten Zeitraum für eine ganz bestimmte Herausforderung Ideen suchen.“ (Quelle: Blog der Volksbank Bühl).

Die Anzahl der Verbesserungsvorschläge ist seitdem deutlich gestiegen – und so ein wichtiger Beitrag für eine lernende Organisation.

Bei der ADG setzen wir selber für unsere regelmäßigen Researchs zu den Themen „Zukunft des Lernens & HR“ sowie für die Interne Kommunikation (z.B. zu den Angeboten innerhalb der ADG zum Thema Gesundheit) Blogs ein:

adg_inside_blog

Es ist aber naiv zu glauben, dass das Hinstellen eine technische Plattform reicht und schon wird sich das gesamte Unternehmen munter darin austauschen.  Das kann jeder an sich selbst festmachen: Rezensionen von Produkten auf Online-Plattformen hat sicher von uns gelesen. Aber wie viele haben Sie selber schon geschrieben?

Es ist vor allem eine Frage der Unternehmens-Kultur, ob Mitarbeiter und Führungskräfte sich positiv auf solche neuen Formen der Kommunikation und Transparenz einlassen. Unternehmen mit einer ausgeprägten Inselkultur, einem starken internen Wettbewerb und einer sehr hohen Arbeitsdichte werden kaum mit einer Enterprise 2.0 Plattform eine transparenten, offenen und wertschätzenden Austausch hinbekommen.

Wenn hingegen in Unternehmen schon ein dialogorientierter, bereichsübergreifender und tendenziell hierarchiefreie Kultur besteht, kann Enterprise 2.0 noch mal zum einem deutlichen Mehr an Transparenz und Lernen von- und miteinander führen.

Die Empfehlung von Frank Wolf von T-Systems: Die Vorteile von Enterprise 2.0 sollte vor allem über bestehende formelle Strukturen mit den Zielen der Information und Kommunikation, der Transparenz über Projekte und Prozesse und für das persönliche Wissensmanagement gehoben werden. Erst wenn sich das etabliert hat, können auf einer solchen Basis auch unverbindlichere Formen in Form von Communities erfolgreich entwickeln (Quelle: T-Systems via Slideshare).

Wie ist der Stand bei Ihnen im Unternehmen? Setzen Sie auch schon Elemente des Enterprise 2.0 ein? Inwieweit beschäftigen Sie sich mit dem Thema? Welches sind Ihre Erfahrungen dazu?

About the author

Carsten Rhinow(http://www.adgonline.de) - Mein Name ist Carsten Rhinow und ich bin bei der Akademie Deutscher Genossenschaften als Spezialist für Digitale Medien & Lerninnovationen tätig. Ich beschäftige mich intensiv mit der Frage, wie das Lernen/Lehren, die Personal- und die Organisationsentwicklung in Zukunft stattfinden wird. Neben den neuen technischen Möglichkeiten in diesen Bereichen interessiert mich vor allem die Frage, wie Organisationen so agil gestaltet werden können, dass diese sich mit allen Mitarbeitern flexibel an eine sehr dynamische und komplexe Umwelt anpassen zu können.

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