Der Kunde und seine Bank – eine starke Verbindung beim Thema Geld? Auch im Bereich Finanzierungen könnte sich diese weiter lockern…

Warum? Sofern alle Anforderungen und Ratings der Bank erfüllt werden und trotzdem noch Interesse besteht, sollte einer Bank-Finanzierung nichts im Wege stehen. Was passiert aber, wenn dem nicht so ist? Diese Frage stellt sich gerade bei innovativen Vorhaben. Wenn die Bank ausfällt, bleiben zwar theoretisch noch andere Quellen (bspw. laufende Einnahmen oder Wagniskapital), praktisch bieten sich oft aber wenige Möglichkeiten.

Und nun, Pech für die Innovativen und schade um entgangene Gewinne aus den Finanzierungen?

Keineswegs, die Lösungen heißen Crowdfinance und Crowdlending! Sicher haben viele von Ihnen schon davon gehört, da die begriffliche Vielfalt in diesem Bereich aber wenig selbst erklärend ist, möchte ich diese zunächst entwirren. Anzumerken ist, dass die folgenden Definitionen nicht überall gleich verwendet werden, so wird bspw. Crowdfunding teils als Oberbegriff für die folgenden Begriffe verwendet. Zudem sind die Grenzen der Begriffe fließend. Dennoch lassen sich beim genaueren Hinschauen tendenziell folgende Definitionen zuordnen:

  • Crowdfinance und Schwarmfinanzierung lassen sich synonym als Oberbegriff für Crowdfunding, Crowddonating/-raising sowie Crowdinvesting verwenden. Davon abweichend wird Schwarmfinanzierung tw. auch mit Crowdfunding gleichgesetzt.
    • Crowdfunding, hierbei finanzieren viele Menschen gemeinsam ein Projekt und unterstützen so kreative Geschäftsideen (bspw. aus den Bereichen Film, Design, Video, Gaming, Technologie). Hierfür erhalten sie entsprechende nicht-monetäre Gegenleistungen (bspw. Einladungen, besonderes Filmmaterial, ein Musikalbum o. ä.).
    • Crowddonating/-raising kann als eine Variante des Crowdfundings verstanden werden, bei der es keine Gegenleistungen gibt, das eingesetzte Geld also eher eine Spende für einen guten Zweck darstellt.
    • Crowdinvesting ist eine sehr neue Art der Finanzierung, bei der viele Menschen gemeinsam investieren und zwar insbesondere in junge Startups mit kreativen Ideen. Im Unterschied zum Crowdfunding erhalten sie hierfür monetäre Gegenleistungen (v. a. stille Beteiligungen)

 

  • Crowdlending ist der Oberbegriff für Peer-to-Peer Lending und Social Lending.
    • Peer-to-Peer Lending, hierbei verleihen Menschen gemeinsam ihr Geld und bekommen dafür eine monetäre Gegenleistung. Im Unterschied zum Crowdinvesting handelt es sich jedoch um keine Beteiligung, sondern um einen Kredit. Sie bekommen also Zinsen und später (hoffentlich) die Kapitalrückzahlung. Zudem werden die Kredite auch oder teils sogar ausschließlich an Privatleute vergeben, was bei den Crowdfinance-Varianten eher untypisch ist.
    • Social Lending ist dem Peer-to-Peer Lending ähnlich, hier werden jedoch vor allem Kleinstkredite (sogenannte Mikrokredite) an Kleinunternehmen (oft in Entwicklungsländern) vergeben.

 

Im Sinne dieses Beitrages sind also die beiden zusammenfassenden Begriffe Crowdfinance und Crowdlending angesprochen und damit die zunehmende Tendenz, Finanzierungen über eine Menge von Menschen durchzuführen und nicht durch die Bank.

 

Und nun zur entscheidenden Frage – Müssen sich die Banken wirklich darüber Gedanken machen?

Nun ja, allein auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter sagten 3 Mio. Menschen aus aller Welt 480 Mio. US-Dollar für Projekte zu, und das nur im Jahr 2013 (Quelle: Kickstarter.com)!

Und es geht weiter, im Bereich Crowdinvesting wurde laut Crowdinvesting-Monitor der Website fuer-gruender.de allein von 2012 auf 2013 in Deutschland ein Wachstum von +250% erzielt. Vom ersten Halbjahr 2013 zum selben Zeitraum 2014 waren es weitere +58%. Zwar ist das Gesamtvolumen in dem sehr neuen Feld noch gering, die Wachstumsraten aber mehr als beachtlich. Auch das durchschnittliche Finanzierungsvolumen i. H. v. 280.000 EUR im ersten Halbjahr 2014 erfuhr einen deutlichen Anstieg. Dabei bedeutet Durchschnittsvolumen nicht Maximalvolumen, so gab es laut fuer-gruender.de 2013 auch durchaus größere Finanzierungen, wie bspw.

www.fuer-gruender.de

www.fuer-gruender.de

Auch das Peer-to-Peer Lending bietet erstaunliche Dimensionen, so verliehen bspw. die britische Plattform Funding Circle laut Homepage der Zeit in nur drei Jahren 130 Mio. Pfund, die US Plattform Lending Club kommt laut des Magazins der Aktionär sogar auf 3 Mrd. US-Dollar vergebene Kredite.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es noch viele andere Erfolgsbeispiele gibt und ein weiteres Wachstum auch oder gerade in Deutschland zu erwarten ist.

Vermutlich wird sich dabei zwar nicht die gesamte Masse der vielen neuen Anbieter etablieren, Plattformen wie bspw. Seedmatch, Companisto oder Innovestment sollten aber im Blickfeld bleiben. Interessierte Leser finden zudem auf bspw. www.crowdfunding.de einen interessanten Überblick über weitere Anbieter.

Die Antwort auf die oben gestellte Frage „müssen sich die Banken wirklich darüber Gedanken machen?“ sollte jede Bank selbst finden. Interessant ist die Beobachtung, dass sich bislang nur wenige Banken ernsthaft mit dem Thema beschäftigt haben.

Dabei sollten sich gerade die Genossenschaftsbanken angesprochen fühlen, deren traditionelles „Gemeinsam-Sind-Wir-Stark-Prinzip“ diesen Finanzierungsformen in hohem Maße entspricht.

Sicher, die Potenziale erscheinen gerade in Deutschland noch gering, aber selbst Trends wie das Automobil wurden anfangs wenig ernst genommen (Zitat von Kaiser Wilhelm II: „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist nur eine vorübergehende Erscheinung“).

So ist strategisch gesehen zumindest die scharfe Beobachtung dieses Trends und entsprechender Anbieter sowie die gelegentliche Abwägung von Handlungsmaßnahmen dringend zu empfehlen.

 

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Benjamin Kursatzky -

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2 comments

Nun, ich denke auf der einen Seite sind die Banken insgesamt sehr stark mit sich selbst beschäftigt. Auf der anderen Seite sind es vielfach noch die „Underdogs“ die beispielsweise über Crowdfunding das Kapital einsammeln. Für Banken ist es attraktiver größere Tickets zu bearbeiten und sicherer auf bekanntere Namen zu setzen.

Bedrohung: sehe ich eher nicht – im Gegenteil. Möglicherweise professionalisiert sich die ganze Gründerszene dadurch noch weiter. Gleichzeitig sollten die Banken das sehr wohl verfolgen und sich auch mit diesen Trends auseinander setzen. Wer weiss: vielleicht steckt in diesen Ansätzen schon der Keim einer Geschäftsidee, die die Banken dann wirklich bedroht!

Und last but not least: viele Startups leben (noch) davon, dass sie unter dem Radarschirm des Regulators fliegen.Wenn sie sichtbarer und damit erfolgreicher werden, dann gibt es nochmal einen Rucksack voller Anforderungen und Auflagen…

Hallo Herr Lesch,

vielen Dank für den Kommentar! Aktuell sehe ich das Thema Crowdfunding ebenfalls mit gemischten Gefühlen. -Einerseits beobachte ich das Aufkommen einer „Welle“, andererseits ist noch (vor allem in Deutschland) relativ offen, was diese am Ende auslösen wird. Dennoch handelt es sich hier um einen weiteren neuen Ansatz, der sich im klassischen Geschäftsfeld der Banken positioniert und nicht aus den Augen gelassen werden sollte. Spannend wird dabei aus meiner Sicht auch sein, wie sich die Banken hierbei positionieren und ob und in wieweit sie Beispielen wie „Viele schaffen mehr“ von der Volksbank Bühl (https://volksbank-buehl.viele-schaffen-mehr.de/) folgen werden.

Herzliche Grüße vom Schloss

Benjamin Kursatzky

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