„Deutsche Banken mit trüben Geschäftsaussichten“ lautet der Titel der Ernst & Young-Studie „EY Bankenbarometer 2014“, in der 184 Banken in Europa (41 in Deutschland) befragt wurden…

Die Studie erschien bereits im Januar 2014, die Ergebnisse sind jedoch unverändert brisant:

Gedrückte Stimmung im deutschen Bankensektor: Aktuell erwartet nur noch gut jede dritte Bank, dass sich ihre Geschäftslage im neuen Jahr verbessern wird – im Juni 2013 hatten sich noch 43 Prozent positiv geäußert. Damit ist Deutschland das Schlusslicht im Europa-Vergleich […].

Angesichts der schwierigen Ertragslage schnallen vor allem die deutschen Banken den Gürtel enger: Jedes zweite Geldinstitut im Land plant für das kommende Halbjahr Kostensenkungsmaßnahmen. Das trifft auch die Mitarbeiter: Mehr als jede dritte deutsche Bank (36 Prozent) plant Stellenstreichungen, vorrangig in der Verwaltung. […] Zusätzliche Mitarbeiter einstellen wollen lediglich 15 Prozent der deutschen Banken […].

Dabei führen die Banken nicht nur ihren Sparkurs fort, sondern bereiten sich auch verstärkt auf mögliche Kreditausfälle und Abwertungen vor: Drei von zehn deutschen Banken planen, ihre Risikovorsorge zu erhöhen – nur jede zehnte will sie reduzieren. […]

 „Nach mehreren Krisenjahren stehen viele deutsche Banken weiter vor erheblichen Herausforderungen“, sagt Claus-Peter Wagner, Managing Partner Financial Services Deutschland bei EY.Neue regulatorische Vorgaben und weiterhin niedrige Leitzinsen erschweren eine nachhaltige Erholung des Rentabilitätsniveaus. Für die Banken bedeutet das: Änderungen an Geschäftsmodellen und Kostenstruktur sind unumgänglich.“ […]

Kaum Zustimmung zu Bankentest und Stresstest. Im Kampf gegen weitere Krisen halten die deutschen Banken ein Instrument aber offenbar kaum für sinnvoll: die Überprüfung ihrer Bilanzen durch die Europäische Zentralbank – und den daran anschließenden Stresstest. Mehr als die Hälfte der Befragten hält die jetzt erfolgende Prüfung der Risikoaktiva für überflüssig. Nur jeder fünfte (22 Prozent) bezeichnet dies als notwendig.

„Für die deutschen Banken bedeutet diese zusätzliche Prüfung vor allem Arbeit und Kosten“, sagt Müller-Tronnier. „Was der Test aber mittelfristig und vertrauensbildend bringen wird, lässt sich derzeit kaum prognostizieren. Da reagieren die meisten Banken erst einmal ablehnend.“

Ohnehin sind die Finanzaufseher nach Meinung von 59 Prozent der Befragten mit der umfassenden Überprüfung der Banken zu spät dran: Nur 18 Prozent sagen, dass der Zeitpunkt der Aktionen richtig gewählt sei.

Europas Banken hoffen auf Konjunkturerholung. Zumindest im Hinblick auf die heimische Wirtschaft sind die deutschen Banken positiv gestimmt. Fast sechs von zehn Befragten erwarten in den kommenden Monaten eine Konjunkturerholung. Noch im Juni 2013 war lediglich gut jeder Vierte dieser Meinung. Von einer Verschlechterung geht aktuell lediglich jeder Zwanzigste aus.

Und auch im Rest Europas macht sich Zuversicht breit: Mehr als die Hälfte der europäischen Banken (56 Prozent) geht davon aus, dass die Wirtschaft im jeweiligen Heimatland anziehen wird, nur knapp jede zehnte rechnet mit einer Verschlechterung. Im Juni hatten noch je ein Viertel der Befragten eine Verbesserung bzw. Verschlechterung prognostiziert. […]
Auf dem Weg dorthin bauen die deutschen Banken vor allem auf die Privatkunden: 56 Prozent sehen hier in den kommenden Monaten gute Chancen. Ein ähnlich hoher Anteil (55 Prozent) baut auf das Geschäft mit gehobenen Privatkunden. Bei der Transaktionsberatung (M&A) und bei der Ausgabe von Aktien und Anleihen sind hingegen lediglich 24 bzw. 14 Prozent zuversichtlich.

„Im Zuge der Krise haben viele deutsche Banken die Privatkunden neu entdeckt – und das zu Recht“, betont Müller-Tronnier. „Trotz historisch niedriger Zinsen bietet dieses Geschäft für glaubwürdige Angebote gute Perspektiven: Wohlhabende Kunden haben einen hohen Beratungsbedarf und suchen eine exklusive Betreuung, während in der Breite zinsgünstige Immobilien- und Konsumentenkredite angesichts der guten Konjunkturaussichten wenig Risiko und verlässliche Einnahmen versprechen.“

In Deutschland erwarten sechs von zehn Banken in den kommenden Monaten eine noch stärkere Nachfrage nach Immobilienkrediten. Spar- und Einlageprodukte sind hingegen weniger gefragt – nur jede dritte Bank sieht in diesem Bereich Wachstumschancen. Und auch bei den Firmenkunden kann von einer Kreditklemme keine Rede sein: Jede zweite Bank in Deutschland will in den kommenden Monaten ihre Kreditvergabe an Unternehmen erhöhen (europäischer Durchschnitt: 46 Prozent).“

Quelle: Ernst & Young

Die Ausschöpfung letztgenannter Potenziale bietet sicher Chancen, ob Sie die aktuellen Probleme (Niedrigzins & Co.) und die strukturellen Probleme (neue Wettbewerber, zu geringe Filialnutzung, geänderte Kundenbedürfnisse & Co.) aber hinreichend ausfüllt, darf angezweifelt werden.

 

P.S.: Die vollständige Studie finden Sie hier.

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Benjamin Kursatzky -

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