Start me Up ist ein Song der Rolling Stones (gegründet 1962), den die Band 1981 heraus gebracht hat. Seitdem hat sich nicht nur in der Musik sehr viel geändert:

Bcp3h

 

Quelle: http://i.imgur.com/Bcp3h.png

Seit der Apple-Gründer Steve Jobs 2003 mit iTunes Musik nicht mehr wie andere Unternehmen per CD, sondern rein digital vertrieb, brach für Branche eine neue Ära an – und die etablierten Musik-Giganten hatten schnell das Nachsehen. Denn schnell zeigte sich, dass der Verkauf von Musik per Download über iTunes das Kerngeschäft direkt ins Mark traf. Was mit der Musik-Branche begann, setze sich schnell fort: Bestellen von Büchern per Amazon, Telefonieren per Skype, SMS-Versand per Smartphone über WhatsApp.

Es sind jene kleine Startups, die den großen Unternehmen derzeit das Fürchten lehren. Denn kaum eine Branche kann sich sicher sein, dass sie nicht auch von einem kleinen Startup angegriffen wird. Beispiel Strom: Hier ist u. a. Siemens eines der führenden Unternehmen.

Über Next Kraftwerke lassen sich Stromanlagen wie Windkraft oder Biogas als Direktvermarktung über ein sog. virtuelles Kraftwerk koppeln. Next Kraftwerke besitzt aber diese Anlagen gar nicht, sondern bietet rein die virtuelle Infrastruktur dafür an.

Anders Beispiel: In der Branche Hotel bietet AirBNB (Wohnungen und Häuser von privat an privat an. Alleine in New York wird geschätzt, dass dadurch im Jahr 1 Million weniger Hotelzimmer gebucht wurden.  Mit rund 10 Mrd. Dollar Bewertungssumme ist AirRNB bereits so teuer, dass etablierte Hotelketten sich den Kauf nicht mehr leisten könnten (Quelle: Der SPIEGEL, 15/2014, S. 84).

Facebook hat für WhatsApp 19 Mrd. Dollar bezahlt! Für eine Firma, die gerade mal 55 Angestellte hat. Wichtig waren aber nicht die Angestellten, sondern die gut 500 Mio. Nutzer der App. Im digitalen Zeitalter ist Reichweite keine Frage mehr des Geldes für Marketing: Eine sehr clevere Idee (meist zu Lasten etablierter Unternehmen/Geschäftsmodelle) reicht, um in sehr kurzer Zeit Nutzer im Millionenbereich zu gewinnen.

Große Unternehmen wie die Deutsche Telekom oder der Axel-Springer-Verlag haben für Startups Anschubprogramme aufgesetzt – Inkubatoren oder Acceleratoren genannt. Doch das wird wenig genutzt – denn viele junge Gründer halten die Old Economy „schlicht als zu behäbig“ (Quelle: Der SPIEGEL, 16/2014, S. 56).   Ähnlich äußerte sich Surminski, eine der Gründer der Social Trading Plattform Ayondo für Unternehmen der Finanzindustrie:  Grundsätzlich würde er auch gern mit Banken kooperieren:

 „Aber deren Innovationszyklen laufen oft über Jahre, so viel Zeit haben wir nicht.“ (Quelle: ManagerMagazin)

Wie viele innovative Startups sich gerade in der eher als konservativ eingestuften Finanzbranche derzeit tummeln, zeigt Boris Janek auf:

Was können etablierte Unternehmen von Startups lernen?

Zum einem müssen sich Unternehmen bewusst machen, dass in der Regel ihre Aufbau- und Ablaufstruktur den Managementtheorien des 20. Jahrhunderts geschuldet sind. Im Fokus dabei standen vor allem Fragen der Arbeitsteilung und dem Erzielen von Effizienzgewinnen. Im Übergang vom Industriezeitalter zum Wissenszeitalter werden Produkte und Prozesse immer komplexer, so dass das Verteilen dieser Aufgaben auf  Bereiche und vor allem das Schaffen neuer Produkte in einem verteilten Szenario nicht mehr funktioniert.

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Quelle: Niels Pläging, Organisation für Komplexität (S. 14)

Startups zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass hier sehr eng über Disziplinen hinweg an einer gemeinsamen Idee gearbeitet wird, Entscheidungen schnell und demokratisch getroffen werden und dem Einzelnen und dem Team ein hohes Maß an Eigenverantwortung gegeben wird. Es sind eben jene Elemente, die Senge in seinem Buch die fünfte Disziplin als ganz wesentlich für eine lernende Organisation ausgemacht hat: eine gemeinsame Vision, ein echtes Team-Lernen, Arbeiten an Mentalen Modellen durch ein hohes Maß an Feedback, Personal Mastery (das Einbringen eigener Stärken) sowie das Systemische Denken.

Die Volksbank Bühl hat sich dieses Vorgehen von Startups zu Eigen gemacht und in einem sog. Hackathon in 2 ½ Tagen insgesamt parallel 11 neue Produkte kreiert (u. a. können Kunden jetzt mitentscheiden, für welche Projekte der Region die Volksbank Bühl Finanzierungen vergeben soll).

Ist es also Zeit, Organisationen komplett neu zu denken und in Zeiten der Wissensgesellschaft den Taylorschen Gedanken der Arbeitsteilung über Bord zu werfen?

About the author

Carsten Rhinow(http://www.adgonline.de) - Mein Name ist Carsten Rhinow und ich bin bei der Akademie Deutscher Genossenschaften als Spezialist für Digitale Medien & Lerninnovationen tätig. Ich beschäftige mich intensiv mit der Frage, wie das Lernen/Lehren, die Personal- und die Organisationsentwicklung in Zukunft stattfinden wird. Neben den neuen technischen Möglichkeiten in diesen Bereichen interessiert mich vor allem die Frage, wie Organisationen so agil gestaltet werden können, dass diese sich mit allen Mitarbeitern flexibel an eine sehr dynamische und komplexe Umwelt anpassen zu können.

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