… ist eigentlich der falsche Begriff: Denn im Kern geht es darum, dass die Mitarbeiter einer Organisation bereit sind, permanent Neues zu erlernen und damit die Organisation in Summe wandelbar und anpassungsfähig zu halten.

Wie wichtig diese Wandelbarkeit ist, zeigen die Beispiele von Nokia und Kodak: Einst gehörten beide Unternehmen zu den Marktführern in ihrer Branche (Herstellung von Mobiltelefonen/Fotohersteller), bevor Wettbewerber schneller und marktfähigere Produkte entwickelten und beide Unternehmen in  ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten brachte.

„Die Fähigkeit, schneller zu lernen als die Konkurrenz, ist in der heutigen Wissensgesellschaft der vielleicht wichtigste Wettbewerbsfaktor überhaupt“  – so beschreibt es Peter Senge in seinem Buch „Die fünfte Disziplin“.

In Zeiten der zunehmenden Digitalisierung wird es für Unternehmen immer bedeutsamer, dass sie sich schnell an veränderte Rahmenbedingungen anpassen können. Denn nie zuvor in der Geschichte der Menschheit haben technische Erfindungen so schnell eine so große Zahl von Menschen erreicht. Dauerte es noch 73 Jahre, bis das Telefon von 50 Millionen Leuten genutzt wurde, waren es beim Sozialen Netzwerk facebook gerade mal 3,5 Jahre.

reaching-50-million-users_502917b399a44_w1500

Quelle: Visual.ly

Dabei greifen immer öfter junge Start-Ups die großen etablierten Firmen selbst in ihren Kerngeschäften an: Alle Telekommunikationsunternehmen verdienten sehr ordentliche Margen im Bereich der SMS – bis die Smartphone-Anwendung WhatsApp kam und bis heute rund 465 Millionen Nutzer erreichen konnte (Der SPIEGEL 15/2014, S. 83).

Es sind solche Entwicklungen, die selbst den neuen Telekom-Chef Timotheus Höttges sagen lassen, dass er von der Übermacht amerikanischer und asiatischer Kommunikationsunternehmen zutiefst „erschreckt“ sei (Der SPIEGEL 14/2014, S. 70).

In Zeiten zunehmender Komplexität und Dynamik wird die rasche Anpassungsfähigkeit zum Muss – anders herum bei fehlender Agilität einer Organisation allerdings auch zur strategischen Falle.

Damit Organisationen zu lernende Organisationen werden, bedarf es nach Senge fünf eng ineinander greifender Hauptdisziplinen (vgl. Senge, 2011, 16ff):

  • Systemdenken

 Wird beispielsweise ein neues Produkt in der Vertriebsbank eingeführt, hat dies nicht dort konkrete Auswirkungen. Es sind z. B. auch die EDV betroffen, die Produktionsbank und auch die Steuerungsbank, um nur einige zu nennen. Organisationen, aber z.B. auch Abteilungen, sind eigene Systeme, die über eher unsichtbare Handlungen eng verbunden sind und über die Zeit deutliche Muster ausprägen. Aber erst das Sichtbar-Machen dieser Muster und der in ihnen bestehenden Zusammenhänge ermöglicht ein wirkungsvolles Lernen auf Organisationsebene.

  • Personal Mastery

 Im Zusammenhang mit Lernender Organisation meint Personal Mastery, dass jeder einzelne seine wahren Ziele verwirklichen kann. Hier ist also der einzelne direkt angesprochen, um seine eigene Vision zu klären und somit die Energien auf diese Ziele zu lenken. Denn:

„Das Engagement einer Organisation, lernen zu wollen, kann immer nur so groß sein, wie das Engagement ihrer Mitglieder“ (Senge, 2011, 17-18).

  • Mentale Modelle

 Ob wir wollen oder nicht: Jeder nimmt die Welt aus einer sehr subjektiven Brille wahr und leitet draus sein Handlungen ab. Dabei sind uns diese mentalen Modelle in der Regel gar nicht bewusst. Im Rahmen einer lernenden Organisation sind daher diese Modelle über lernintensive Gespräche an die Oberfläche zu holen.

  • Gemeinsame Vision

 Wie erreicht man es als Organisation, dass ein Großteil der Mitarbeiter sich mit Leidenschaft und Eifer an den Unternehmenszielen widmet? Die Kunst liegt darin, dass es gelingt, eine gemeinschaftliche Zukunftsvision zu schaffen und aufrecht zu erhalten.

„Wenn eine echte Vision vorhanden ist [… ] wachsen die Menschen über sich selbst hinaus: Sie lernen aus eigenem Antrieb und nicht, weil man es Ihnen aufträgt.“ (Senge, 2011, S. 20)

  •  Team-Lernen

 Es ist 2004 und im Endspiel der Fußball-Europa-Meisterschaft stehen Portugal und Griechenland. Sie wissen sicher, wer damals gewonnen hat. Ein Team kann in der Lage sein, über sich hinauszuwachsen und so auch Entwicklungen zu ermöglichen, die der einzelne so gar nicht oder nicht in dieser Geschwindigkeit erreichen könnte.

Die Fähigkeit, im Team zu lernen, gehört zu den wichtigsten Fähigkeiten einer Organisation: Denn ob Produkte, Prozesse oder Services – es sind immer Entwicklungen eines Teams. Die kleinste elementare Lerneinheit in Organisationen ist daher auch nicht mehr der einzelne Mensch, sondern das Team.

Dabei geht es Senge nicht nur um ausgewählte Abteilungen wie Forschung und Entwicklung, bei denen Lernen und Neugier schon qua Aufgabe wesentlich ist:

„Die Spitzenorganisationen der Zukunft werden sich dadurch auszeichnen, dass sie wissen, wie man das Engagement und das Lernpotenzial auf allen Ebenen einer Organisation erschließt“ (Senge, 2011, S. 13).

Daher wird eine Organisation auch nur dann zu einer lernenden Organisation, wenn alle fünf Disziplinen ganzheitlich betrachtet werden. Eine isolierte Team-Maßnahme, eine vereinzelte Visionsentwicklung wird nicht auf fruchtbaren Boden fallen, wenn nicht das systemische Denken mit dazu genommen wird. Denn hier zeigt sich, ob aus der Vision auch gelebte und gelernte Wirklichkeit werden kann.

Welche Bedeutung spielt Lernen bei Ihnen im Unternehmen? Findet das Lernen im Team bereits statt? Welche Erfahrung haben Sie gemacht?

About the author

Carsten Rhinow(http://www.adgonline.de) - Mein Name ist Carsten Rhinow und ich bin bei der Akademie Deutscher Genossenschaften als Spezialist für Digitale Medien & Lerninnovationen tätig. Ich beschäftige mich intensiv mit der Frage, wie das Lernen/Lehren, die Personal- und die Organisationsentwicklung in Zukunft stattfinden wird. Neben den neuen technischen Möglichkeiten in diesen Bereichen interessiert mich vor allem die Frage, wie Organisationen so agil gestaltet werden können, dass diese sich mit allen Mitarbeitern flexibel an eine sehr dynamische und komplexe Umwelt anpassen zu können.

Similar Posts

Leave a reply