Die jüngste Bain-Studie bringt die harte Realität einmal mehr auf den Tisch…

Eine hohe Kreditrisikovorsorge und steigende operative Kosten tragen maßgeblich dazu bei, dass es vielen europäischen Banken auch fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise nicht gelingt, ihre Kapitalkosten zu verdienen. Dabei lag die durchschnittliche CIR 2012 bei 70% (2010 noch 62%) und die risikogewichtete Rendite (RoRWA) durchschnittlich bei 0,5% (2010 noch 1,3%). Die entsprechende Eigenkapitalrendite (RoE) von 4,9 Prozent liegt so weit unter den Kapitalkosten und bedeutet, dass viele europäische Banken weiter Wert vernichten. Deutschland positioniert sich insgesamt zwar im Mittelfeld, frei sprechen von diesen Problemen können sich die Banken hierzulande jedoch längst nicht.

In den Kernmärkten Europas steht die Profitabilität der Banken unter Druck. Ein effizientes Management bleibt daher ein entscheidender Erfolgsfaktor, denn der laufende Umbau der Geschäftsmodelle stellt europäische Banken vor enorme Herausforderungen. Zentrale Aufgabe ist die entschlossene Restrukturierung und damit verbunden Themen wie De-Leveraging und Kostenreduzierung. Hinzu kommen ein systematisches Risikomanagement sowie eine konsequente Reaktion auf die Veränderungen im Kundenverhalten infolge des anhaltenden Vertrauensverlusts.

Die Größe der Bank hat einen entscheidenden Einfluss auf die Rentabilität. In den europäischen Kernmärkten schnitten die zehn größten grenzüberschreitend tätigen Banken gemessen an der Summe der Aktiva und der Marktkapitalisierung am besten ab: Ihre risikogewichtete Rendite lag im Durchschnitt bei 0,9 Prozent. Sie waren vor allem in der Lage, höhere Zinsmargen und Gebühren mit ihren risikogewichteten Aktiva zu verdienen. Diesen Vorteilen auf der Ertragsseite standen allerdings auch die höchsten Kostensteigerungen gegenüber. „Es fällt auf, dass gerade die großen paneuropäischen Banken auf der Kostenseite seit 2010 zugelegt haben“, erklärt Walter Sinn. „Trotz notwendiger Investitionen in Digitalisierung und IT-Plattformen steht für diese Häuser das Thema Kosteneffizienz ganz oben auf der Agenda.“

Kleinere, lokal in einem Land tätige Finanzinstitute kämpfen aktuell vor allem mit ausfallgefährdeten Krediten und stagnierenden Erträgen. Diese Banken haben seit Anfang der Krise die größten Restrukturierungsanstrengungen unternommen und dabei Risk Weighted Assets (RWA) von 20 Prozent abgebaut. Doch die risikogewichtete Rendite lag auch danach im Durchschnitt bei minus 1,1 Prozent. Dies unterstreicht, dass kleinere Finanzinstitute bis heute erheblich stärker unter den Folgen der globalen Finanzkrise leiden.

Walter Sinn (Leiter der Banking-Praxisgruppe von Bain & Company im deutschsprachigen Raum) resümiert „die Situation für europäische Banken bleibt herausfordernd. Angesichts weiterhin schwieriger Marktbedingungen und verschärfter Regulierung müssen die Renditeansprüche gesenkt werden. Mehr denn je kommt es jetzt auf ein konsequentes Bilanz- und Kostenmanagement an. Die Restrukturierung des europäischen Bankensektors ist noch lange nicht zu Ende. Einige europäische Banken könnten an der Restrukturierung scheitern. Für die kommenden Jahre ist daher eine stärkere Dynamik hinsichtlich der Übernahme von Banken in Europa und eine weitere Konsolidierung zu erwarten.“

Zentrale Bausteine zur Optimierung der Rentabilität

Wie können Banken der Dauerkrise entkommen? Die Bain-Studie zeigt vier entscheidende Stellhebel, mit denen Finanzinstitute ihre Erträge steigern, ihre Kosten senken und ihr Risikoprofil verbessern können:

  • Zur Steigerung der Profitabilität über das Niveau der Kapitalkosten bedarf es eines konsequenten Umbaus der Geschäftsmodelle. Die kommende Regulierung begünstigt die notwendige stärkere Konzentration auf das Kerngeschäft.
  • Unabhängig von ihrer Größe und ihrem Standort müssen die Banken ihre Kosten weiter reduzieren. Nachdem die Finanzinstitute in den vergangenen Jahren leicht realisierbare Sparmaßnahmen durchgesetzt haben, gilt es jetzt, eine nochmalige und nachhaltige Senkung der Kosten um mehr als 20% zu erreichen.
  • Die Banken müssen ihre Assets noch stärker zurückführen, also das De-Leveraging verstärken. Durchschnittlich haben europäische Banken seit 2008 ihre RWA nur um 4% gesenkt, das Risikoprofil blieb dabei weitgehend unverändert.
  • Größere Banken können ihre Stellung durch Übernahme von Aktiva kleinerer, lokal tätiger Banken sowie von Finanzinstituten in den wachstumsstarken europäischen Peripherieländern ausbauen. Entscheidend ist hierfür ein intelligentes Management sämtlicher Aktivitäten in der Region.

(Quelle: Bain & Company)

Offen bleibt jedoch die Frage der mittel- bis langfristigen Perspektive, wie also Banken nach der Restrukturierung mit geändertem Kundenverhalten, weiter zunehmendem Wettbewerb, neuen Marktteilnehmern, perspektivisch-strukturellen Erlöseinbußen etc. umgehen sollen. –Reicht es , wenn der Kuchen kleiner wird, tatsächlich aus, sich nur auf das Kerngeschäft zu reduzieren, Kosten und Risiken abzubauen und zu fusionieren? –Wir werden darüber hier im Blog berichten…

Die vollständige Studie können Sie hier herunterladen.

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Benjamin Kursatzky -

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